| Tibetisches Mantraheilen und das rGyud bZhi |
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| Mantraheilen und das rGyud bZhi Das „rGyud bZhi", die von Yuthok Yonten Gonpo, dem Vater der tibetischen Medizin im achten Jahrhundert verfassten „Vier Tantras der Tibetischen Medizin" sind das Grundlagenwerk der Traditionellen Tibetischen Medizin. In diesem Text findet man zahlreiche Verweise auf Mantraheilen und es werden zahlreiche Mantras für spezifische Störungen aufgelistet. Die meisten dieser Verweise auf Mantraheilen finden sich im „Dritten Tantra der mündlichen Unterweisung" (Man Ngag rGyud): Kapitel 79 erwähnt den Gebrauch von Mantraheilen, spirituellen Heilmethoden und Ritualen in der Tibetischen Medizin. Kapitel 80 bezieht sich auf Pathologien wie Epilepsie und Apoplex, welche in der tibetischen Medizin auf Provokationen von gZa (planetare Einflüsse) zurückgeführt werden. Mantraheilen wird zur Behandlung dieser Krankheiten angewendet. Es werden viele Mantras genannt, welche rezitiert, auswendig gelernt, auf den Körper oder auf die umliegenden Wände geschrieben werden können. Auch werden diese Mantras rezitiert und auf Räucherwerk geblasen, welches verbrannt wird, oder werden auf Wasser geblasen, welches dann getrunken einen Heileffekt hat. Außerdem wird in diesem Kapitel der Heileffekt einer Kombination von Mantras und Mudras erörtert. 90 % der in diesem Kapitel beschriebenen Behandlungsmethoden beinhalten die Verwendung von Mantras. Kapitel 81 erwähnt Mantraheilen für Störungen des Chu gSer (gelbe Flüssigkeit = Serum/Lymphe). Kapitel 33 bezieht sich auf die Behandlung der Schilddrüse. Dieses Kapitel nennt spezielle Mantras für Schilddrüsenprobleme. Für die Behandlung der Schilddrüse kommen Arzneien, Äußere Therapien, wie Moxibustion und Aderlass und auch Mantraheilen in Frage. In diesem Kapitel wird die hohe Wirksamkeit des Mantraheilens zur Behandlung von Schilddrüsenproblemen besonders hervorgehoben. Kapitel 54 bezieht sich auf Harnverhalt. Es wird auch ein spezielles Mantra zum Auflösen von Nierensteinen gegeben. Kapitel 73 handelt über Pädiatrie. 15 verschieden Typen von Geistern werden dafür verantwortlich gemacht, bei Kindern Krankheit zu erzeugen. Zornvolle Mantras zur Heilung, Amulette und Rezitationen werden zur Behandlung dieser Krankheiten zur Anwendung gebracht. Kapitel 76 bezieht sich auf die Geburtshilfe. Es erwähnt den Gebrauch von warmen Kompressen und mit Mantras aufgeladenem Ghee zur Erleichterung der Geburt. Kapitel 77, welches sich im Eigentlichen mit Provokationen beschäftigt, erwähnt 18 verschiedene Typen von Geistern, welche durch Provokation Krankheiten erzeugen. Hier ist an erster Stelle vor allem Mantraheilen das Mittel der Wahl. Kapitel 12 des „Abschließenden Tantras" (Phyi ma rGyud) beschreibt das Sammeln von Kräutern und Herstellen von Rezepturen. Dabei sollen Mantrarezitationen zur Ermächtigung der Arzneien durchgeführt werden. Bei der Zubereitung der Rezepturen werden im Allgemeinen immer Mantras rezitiert. Ein gutes Beispiel ist die „Garuda Fünf" Pille, bei deren Herstellung die fünf verschiedenen Garuda-Mantras rezitiert werden. „Das Zweite Tantra der Erklärung" (bShad rGyud) fordert, dass ein qualifizierter Arzt über ein grundlegendes Verständnis des Dharma verfügt, d.h., dass er über die korrekte Sichtweise und Bodhicitta verfügt. Zusätzlich sollte er die Medizinbuddha-Sadhana praktizieren und täglich Mantras rezitieren. Dies zeigt, dass Mantraheilen wirklich ein integraler Teil der Tibetischen Medizin ist. Alle großen Ärzte der tibetischen Geschichte spielen deshalb eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Bewahrung und Verbreitung des Mantraheilens. | |
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