TTM Traditionelle Tibetische Medizin
Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) - Eine kurze Übersicht
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Traditionelle Tibetische Medizin - TTM


Ein Überblick

Die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) ist ein ganzheitliches medizinisches System, d.h. sie begegnet dem Bedürfnis des Einzelnen nach einer integrativen Betrachtung von Körper, Energie und Geist. Sie ist eine Heilkunst, deren Wurzeln in sehr alte Zeit zurückreichen und sie hat eine eigene Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte, die in der tibetischen Landschaft wurzelt, in der einheimischen Kultur und dem Geist des tibetischen Volkes.
Die TTM verfügt über eine verständliche Philosophie, Kosmologie und ein System der subtilen energetischen Anatomie mit dazugehörigen spirituellen Praktiken.
Das medizinische Wissen umfasst eine detaillierte Anatomie, Physiologie, Embryologie, Pathologie, spezifische Methoden der Diagnose und eine auf Heilkräuterrezepturen basierende umfangreiche Pharmakopeia, sowie zahlreiche Methoden der Äußeren Anwendung, die im Westen noch recht unbekannt sind.

Obgleich sie eines der ältesten Heilsysteme der Welt ist, wird die TTM auch in der heutigen Zeit erfolgreich praktiziert. Zeitgenössische Forschung bestätigt die außergewöhnliche Wirksamkeit dieser alten Heilkunst.


Die TTM hat zwei Hauptziele:

    • Vorbeugung

Krankheit durch eine angemessene Ernährung und Lebensweise vorzubeugen, ist in der TTM essentiell. In der heutigen Zeit entstehen die meisten chronischen Krankheiten aufgrund einer unausgewogenen geistigen Einstellung, einer falschen Ernährung und Lebensweise. Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen sind dafür bekannte Beispiele.

    • Heilung

Sobald der Körper energetisch aus der Balance gerät, manifestiert sich Krankheit. Dann wird es notwendig, das Gleichgewicht wiederherzustellen, indem man gleichermaßen auf die Ursachen und Symptome einwirkt. Das heißt zunächst auf die Ernährung und die Lebensweise, Einfluss zu nehmen. Daraufhin finden Kräuterarzneien und äußere Therapien Anwendung.


Was ist mit Gleichgewicht und Ungleichgewicht gemeint?

Gleichgewicht bezieht sich auf die Harmonie von Körper, Energie und Geist. Von diesen dreien kommt der Energie die wichtigste Rolle zu, da sie als Zwischenglied Körper und Geist verbindet. Wenn diese Lebensenergie aus dem Gleichgewicht gerät, verlieren auch Körper und Geist ihre Balance und es entsteht Krankheit.
Gleichgewicht bedeutet einen gesunden Körper einen klaren ruhigen Geist und energetische Stärke.

Ungleichgewicht ist das Resultat negativer Ursachen. Man unterscheidet in der TTM primäre und sekundäre Ursachen. Primäre Ursachen entstehen immer aus einer negativen oder destruktiven geistigen Einstellung, wie Zorn bzw. Aggression, Begierde und Anhaftung und Unwissenheit. Sekundäre Ursachen sind die krankheitsauslösenden  Faktoren wie falsche Ernährung, unangemessenes Verhalten und akut auftretende Faktoren.


Was ist Energie?

In der TTM bezieht sich der Ausdruck ‘Energie’ auf die dynamische Kraft, die die Quelle aller Existenz ist, des Mikrokosmos sowie des Makrokosmos.
Diese Energie entsteht aus den fünf Elementen: Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde.
Die Qualität des Raumes ist Leerheit aus der alle Phänomene entstehen. Wind hat die Qualität von Bewegung, Wachstum und Entwicklung. Feuer hat die Qualität der Geschwindigkeit und der Hitze, welche Reifung erzeugt. Wasser hat flüssige und verbindende Qualität. Erde hat die Qualität der Festigkeit und Stabilität.

Diese fünf Elemente kondensieren zu drei spezifischen Qualitäten, die als Drei Säfte bekannt sind. Die Drei Säfte sind Galle, Schleim und Wind, die entsprechend eine heiße, kalte und neutrale Qualität haben.

rLung, Wind Luft Raum Bewegung Luft        

    • Geistige Aktivität, denken und reflektieren
    • Funktionen des Nervensystems - Verbindung zwischen
      Geist und Körper

    • Atmung
    • Ausscheidung


Tripa, Galle Feuer Hitze

    • Regulation der Körpertemperatur
    • Verdauung und Resorption
    • Katabolismus
    • Hungergefühl und Durst
    • Mut und Motivation
    • Sehen


Badkan, Schleim Erde, Wasser Festigkeit, verbindend

    • Strukturelle Grundlagen des Körpers
    • Körperflüssigkeiten
    • aufbauende Funktionen
    • Schlaf
    • Geduld, Toleranz


Diagnose in der Traditionellen Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin werden in der Hauptsache drei Diagnosemethoden angewendet:

    • Inspektion lTa ba - schauen, beobachten / Inspektion.
    • Palpation Reg pa - abtasten / Palpation.
    • Dri ba - fragen / Anamnese.

    • Inspektion (ITa ba)

Bei der Inspektion legt man sein Augenmerk auf die Form und Statur des Körpers des Patienten sowie auf seine Hautbeschaffenheit. Außerdem werden die Sinnesorgane, insbesondere die Charakteristika der Zunge genau untersucht. Die größte Rolle spielt allerdings die detaillierte Untersuchung des Urins.

    • Urindiagnose nach der Traditionellen Tibetischen Medizin

Bei der Urindiagnose müssen folgende neun Punkte beachtet werden. Die ersten vier davon werden untersucht solange der Urin noch warm ist: die Farbe des Urins, der Dampf, der Geruch und die Art der Blasenbildung.

Während der Abkühlungsphase wird auf die Bildung von Sedimenten sowie auf die Bildung von einem öligen Film auf der Oberfläche geachtet.

Wenn der Urin abkühlt, ändert er seine Farbe. Die Zeit, die er dazu braucht, sowie die Art des Farbwechsels, sowie seine endgültige Farbe sind von diagnostischer Relevanz.

Jede dieser Charakteristika und Veränderungen gibt Auskunft über die Dynamik der Drei Säfte.

    • Palpation (Reg pa)

Zur Palpation (Tastuntersuchung) gehören zwei Gebiete:

    • Pulsdiagnose

Das Pulslesen ist eine sehr wichtige und komplexe Diagnosemethode. Sie wird in ausgedehntem Maße in den meisten traditionellen orientalischen Medizinsystemen praktiziert. Allerdings unterscheidet sich das tibetische Pulslesen von anderen Traditionen hinsichtlich ihrer größeren Komplexität.
Die Pulsdiagnose hat zwei Hauptaspekte. Zum einen dient sie der Feststellung der individuellen Typologie des Patienten. Zum anderen dient sie dazu, die Pathologie des Patienten zu verstehen.

    • Druckdolente Punkte

Zu Reg pa gehört auch das Untersuchen spezifischer Punkte auf Schmerzempfindlichkeit, die über den Ort der Krankheit oder das betroffene Organ Auskunft geben. Diese Punkte liegen insbesondere auf der Wirbelsäule, dem Kopf und den Gliedmaßen.


    • Interview bzw. Anamnese (Dri Ba)

Hier werden die Zeichen und Symptome und die Ernährungs- und Lebensweise des Patienten sorgfältig erfragt, um zu verstehen welche Ursachen und Störungen der Krankheit zugrunde liegen.  
Drei Hauptpunkte müssen während der Anamnese geklärt werden:
die gegenwärtigen Symptome des Patienten, die eigene Sicht des Patienten hinsichtlich der Ursache seiner Symptome und seine Reaktionen auf bestimmte Speisen und Lebensumstände.


Behandlungsmethoden in der Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin gibt es hauptsächlich vier Kategorien der Behandlung: Ernährung, Lebensweise, Arzneien und äußere Therapien.

    • Ernährung

In Anlehnung an die Tibetische Medizin sollte man seine Typologie kennen, um sich auf eine Art ernähren zu können, die das Gleichgewicht erhält.
Für verschiedene Arten von Ungleichgewicht gibt es passende Diäten, je nach dem, ob die Störung von kalter oder heißer Natur ist oder eine Störung der drei Säfte vorliegt.

Es gibt bestimmte wichtige Richtlinien, die zu Wohlbefinden und Vitalität führen: eine hinsichtlich der Nährstoffe ausgeglichene natürliche Ernährung, welche geschmackliche Extreme meidet, wie z.B. extrem gesüßte oder sehr salzige Speisen. Alkohol sollte nur in Maßen genossen werden.

Heutzutage sollten Fastfood und konservierte Speisen gemieden werden. Insbesondere von jungen Menschen, um der Entstehung von Krankheit vorzubeugen.

    • Lebensstil

Die Tibetische Medizin hält Achtsamkeit in jedem Moment unseres Lebens für sehr wichtig - beim Wachsein, Schlafen, Essen Gehen, Arbeiten - (nicht nur regelmäßige Körperübungen).

Die Umgebung sollte der Typologie einer Person angemessen sein - im Besonderen sollte man in einer harmonischen Beziehung mit der Natur leben. Das Atmen von reiner Luft, natürliches Licht und das Vermeiden von Temperaturextremen ist essentiell für die Gesundheit.

Jeder Mensch sollte sich außerdem Zeit nehmen für Aktivitäten wie Meditation, Atemübungen und Yoga, um sich aus engen Sichtweisen zu lösen und entspannter zu werden.

    • Arzneien

In der Tibetischen Pharmakopoe werden Heilpflanzen, verschiedene mineralische Substanzen und einige wenige tierische Substanzen wegen ihres therapeutischen Effektes angewendet. Viele dieser Substanzen kommen in ganz Asien vor. Einige werden allerdings nur im tibetischen Hochland gefunden. Aufgrund der dort vorgefundenen unberührten Natur sind die Komponenten der Tibetischen Materia medica besonders rein.

Tibetische Arzneien werden nach zwei Hauptprinzipien komponiert - nach dem Geschmack (z.B. süß, sauer, salzig usw.) und nach dem Potential (z.B. ölig, heiß, kalt, trocken usw.). Man untersucht die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Substanzen und stellt Komponenten zusammen. Dies bezeichnet man als die Zusammenstellung der Rezepturen nach dem Geschmack. Jede Substanz der Materia medica hat ein natürliches Potential, das vom Geschmack unabhängig ist. Hierauf beruht die Zusammenstellung der Rezepturen hinsichtlich des Potentials. In Anlehnung an die alten Texte und die lange pharmazeutische Tradition stellen tibetische Ärzte die Arzneien nach diesen zwei Prinzipien her.

Ein besonderes Merkmal der tibetischen Rezepturen ist, dass sie viele Komponenten enthalten. Ein einfaches Mittel kann 10 Substanzen enthalten, während eine komplexe Rezeptur über 70 oder sogar mehr Inhaltsstoffe verfügt. Arzneien kennt man in Form von Pillen, Pulvern, Abkochungen, konzentrierten Extrakten, Salben und Ölen.

Heutzutage sind ungefähr 500 Rezepturen allgemein gebräuchlich. Diese Arzneien sollen das Gleichgewicht der drei Säfte wiederherstellen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die Effektivität dieser tibetischen Arzneien zeigen können. (siehe: Padma Forschungsseite).

    • Äußere Therapien

Die TTM beschreibt Gesundheit als das Gleichgewicht der drei Säfte. Bestimmte Äußere Therapien können angewendet werden, um dies zu bewirken.

Die Traditionelle Tibetische Medizin verfügt über eine große Auswahl an äußeren Therapien. Jede dieser Therapien kann für sich alleine oder in Kombination mit anderen Therapien angewendet werden.

    • Massage - Ku Nye (bsKu mNye)

Ku Nye ist die traditionelle tibetische Heilmassage. Sie kann zur Vorbeugung sowie zur Behandlung von Krankheit angewendet werden.
Sie wendet Kräuteröle an und verfügt über viele Massagetechniken an Muskeln, Gelenken, Meridianen und Punkten.

    • Akupunktur Thur Che (Thur dPyad)

Das Wissen um die tibetische Akupunktur ist für viele Jahre als verloren angesehen worden. Aber aufgrund der Forschungen von Dr. Nida Chenagtsang wird diese Heilkunst heute wieder mehr und mehr praktiziert. Wir sind glücklich. Kurse in traditioneller tibetischer Akupunktur anbieten zu können. Die tibetische Akupunktur unterscheidet sich beträchtlich von der chinesischen, unter anderem weil gänzlich andere Punkte und Meridiane verwendet werden.

    • Moxibustion - Me Tsa (Me bTsa)

Moxibustion ist eine Wärmetherapie, bei der das getrocknete und verarbeitete Kraut von Leontopodium oder Artemisia angewendet wird. Daraus werden Kegel geformt und auf bestimmten Punkten abgebrannt, um diese zu erwärmen.
Dies ist eine der wichtigsten Therapien für kalte Zustände - z.B. Verdauungsprobleme, schlechte Durchblutung und dumpfen Schmerz.

Für verschiedene Zustände werden verschiedene Punkte behandelt. Es gibt 20 verschiedene Arten von Moxibustion. Verschiedene Materialien und Techniken kommen zum Einsatz. Diese Vielfalt in der Tibetischen Medizin einzigartig.

    • Schröpfen - Me Bum (Me Bum)

Die Tibetische Medizin benutzt traditionellerweise kupferne Schröpfköpfe. Das Schröpfen lindert Schmerz und löst energetische Blockaden auf.
Außerdem verwendet die Tibetische Medizin weniger bekannte und teilweise einzigartige äußere Therapien an wie:

    • Kräuterbad-Therapie - Lum (Lums)
    • Aderlass - Tarka (gTarga)
    • Kompressen - Dug (Dugs)
    • Stock-Therapie - Yuk Cho (dByug bChos)
    • Mongolisches Moxa - Horme (Hor Me)


Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) - Programm:

1. Jahr - TTM
Einführung, Überblick, Geschichte und philosophische Grundlagen der TTM; grundlegende Prinzipien – darunter Kosmologie, Theorie der fünf Elemente und der drei Säfte, Anatomie, Physiologie und Embryologie -  Anatomie des feinstofflichen / energetischen Körpers; Verhalten und Ethik eines Arztes der Tibetischen Medizin.

2. Jahr - TTM
Ernährung und Lebensführung in der TTM; Studium der primären und sekundären Ursachen von Krankheit; Pathologie der drei Säfte; Klassifizierung und Bedeutung der Krankheiten; Klassifizierung und Wirkung der Kräuter und ihrer Rezepturen.

3. Jahr - TTM
Diagnose in der TTM; Körperuntersuchung, Pulsdiagnose und Urindiagnose; Studium der Symptome; Theorie und Praxis der Äußeren Therapien – einschließlich Ku Nye, Tibetischer Akupunktur, Anwendung von heißen und kalten Kompressen, Moxibustion, Schröpfen, Aderlass, Stocktherapie und Kräuterbad-Therapie – Lokalisation und Funktion der Punkte und Meridiane.

4. Jahr - TTM
Klinische Praxis und Studium der Pathologie; Rezepturen und ihre Herstellung.



Grundstruktur der Ausbildung:

4 Jahre Ausbildung – davon drei Jahre in dem entsprechenden Ausbildungsland und das vierte Jahr in Tibet.






 




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TTM - Ausbildungstermine

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